Die bedarfsgerechte Umsetzung der komplexen Anforderungen an die Barrierefreiheit erfordert ein hohes Maß an Fachkompetenz. Dabei geht es nicht nur um genaue Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen und technischen Anforderungen aus DIN-Normen, sondern insbesondere um ein tiefes Verständnis der Bedürfnisse, Abläufe und Fähigkeiten verschiedener Personengruppen in Abhängigkeit von Gebäudeart und Nutzung. Nur mit einem entsprechenden Hintergrund lassen sich zielorientierte, effiziente und passgenaue Lösungen entwickeln, die den individuellen Projektanforderungen im Spannungsfeld zwischen rechtlichen (Mindest-)Anforderungen, Wirtschaftlichkeit und individuellen Bauherrenwünschen gleichermaßen gerecht werden.
Bedarfsgerechte Planung statt starrer Vorgaben
Die Fachplanung für barrierefreies Bauen ist eine noch junge Fachdisziplin, die sich in den letzten Jahren zunehmend weiterentwickelt hat. Die besondere Expertise von Fachplaner:innen ist immer dann gefragt, wenn spezifische, projektbezogene Fragen hinsichtlich der geschuldeten Barrierefreiheit und dazu passende bauliche Lösungen von Objektplanern und Architekten nicht oder nur teilweise beantwortet und entwickelt werden können. Eine fundierte Barrierefrei-Planung geht dabei erheblich über die Einhaltung normativ vorgegebener Mindestmaße oder das Ausfüllen von Checklisten oder Bauantragsformularen hinaus.
Insbesondere seit der Einführung der schutzzielbasierten Normenreihe DIN 18040 sind die Anforderungen und technischen Lösungsmöglichkeiten so vielfältig, dass die frühzeitige Beratung und begleitende Fachplanung zunehmend selbstverständlicher wird, insbesondere bei größeren Projekten, öffentlich zugänglichen Gebäuden, Sonderbauten oder Projekten, für die bestimmte Förderungen oder Zertifizierungen angestrebt werden. Hinzu kommen die vielfältigen und je nach Bundesland unterschiedlichen bauordnungsrechtlichen Regeln, eventuelle Vorgaben des Arbeitsschutzes, Inklusionsvereinbarungen etc.
Typische Aufgaben von Fachplaner:innen
Fachplanende für barrierefreies Bauen begleiten bestenfalls den gesamten Planungsprozess. Zunehmend übernehmen sie die Aufgabe, sogenannte BarrierefreiKonzepte oder Barrierefrei-Nachweise aufzustellen und vereinfachen und beschleunigen so das Genehmigungsverfahren. Sie ermitteln die projektspezifischen und nutzungsabhängigen Anforderungen, entwickeln bedarfsgerechte Lösungen und ggf. Alternativen, führen Abstimmungen und Abwägungsprozesse mit Planungsbeteiligten, Behörden oder Interessenvertretern durch. Falls Ausnahmen oder Abweichungen erforderlich sind (z. B. beim Bauen im Bestand, unverhältnismäßigem Mehraufwand etc.), erarbeiten sie entsprechende Abweichungsanträge inklusive nachvollziehbarer Begründung und ggf. erforderlicher Kompensationsmaßnahmen.
Je eher, desto besser
In der Praxis hat sich die frühzeitige Einbindung von Fachplanern bewährt. So können bereits in den ersten Leistungsphasen alle relevanten Anforderungen und Rahmenbedingungen geklärt und für alle Planungsbeteiligten transparent dargelegt werden. Aufwendige Lösungen oder spätere Umplanungen lassen sich so oft vermeiden, Verzögerungen und Baukosten begrenzen.
Zum typischen Aufgabenspektrum gehören insbesondere:
- Konzeptionelle Begleitung der Baubeteiligten
- Klärung der individuellen, projektspezifischen Anforderungen
- Beratung zu und Entwicklung von geeigneten baulichen/technischen Maßnahmen
- Erstellen von schlüssigen Planungen mit gestalterisch hochwertigen, nachhaltigen Lösungen und ggf. gleichwertigen Alternativen
- Defizitanalysen im Bestand
- Erstellen von Barrierefrei-Konzepten und -Nachweisen,
z.B. im Genehmigungsverfahren, bei Zertifizierungen oder Förderanträgen - Schnittstellen-Planung, insbesondere zum Brandschutz (Barrierefreie Rettungskonzepte)
- Abweichungen, Befreiungen und Kompensationsmaßnahmen inklusive Begründung (z.B. beim Bauen im Bestand)
- Wirtschaftlichkeitsberechnungen
- Fördermittelberatung
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