Wie sieht ein schlüssiges Barrierefrei-Konzept konkret aus? Nicht in der Theorie, sondern bezogen auf ein reales Bauvorhaben – im Neubau oder im Bestand.
Barrierefrei-Konzepte gewinnen zunehmend an Relevanz und immer mehr Bundesländer verlangen entsprechende Nachweise im Rahmen des Genehmigungsverfahrens. Derzeit sind solche Konzepte z.B. in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Bremen und Hessen verpflichtend. Ebenso fordern u.a. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern detaillierte Angaben zur Barrierefreiheit in den Bauvorlagen. Doch auch wenn keine explizite Vorgabe besteht, bieten Barrierefrei-Konzepte zahlreiche Vorteile – gerade bei größeren Bauvorhaben, öffentlich zugänglichen Gebäuden oder im Bestand, wenn Abweichungen erforderlich und begründet werden müssen.
Das Barrierefrei-Konzept ist eine ganzheitliche, schutzzielorientierte Betrachtung für ein konkretes Objekt. Es dokumentiert, welche barrierefreien Lösungen geplant sind, und führt nachweislich aus, dass die Anforderungen in ausreichendem Maß und in geeigneter Weise berücksichtigt wurden. Was dabei als „ausreichend“ und „geeignet“ gilt, ergibt sich nicht nur aus DIN-Normen oder baurechtlichen Vorgaben. Den Ausgangspunkt bilden die individuelle Bauaufgabe, die jeweiligen Nutzergruppen, Förderprogramme oder Zertifizierungsbestrebungen oder auch Inklusionsvereinbarungen und vieles mehr.
Vorteile insbesondere im Genehmigungsverfahren
Im Rahmen des Bauantrages spielen Barrierefrei-Konzepte eine zentrale Rolle: Denn die Barrierefreiheit des Bauvorhabens muss gegenüber der Genehmigungsbehörde prüffähig und nachvollziehbar nachgewiesen werden. Ein schlüssiges Barrierefrei-Konzept macht genau das – es stellt die geplanten Maßnahmen zur Barrierefreiheit in Plänen und Bauvorlagen klar und eindeutig dar. Das minimiert Rückfragen und beschleunigt das Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig erleichtert es die frühzeitige Abstimmung und spätere Realisierung mit allen Beteiligten: von der Bauherrschaft über Architekt:innen und Fachplaner:innen bis hin zu Genehmigungsbehörden, „baufremden“ Behindertenbeauftragten und bauausführenden Unternehmen. So lassen sich Mehrkosten, Nachbesserungen und spätere Streitigkeiten um die „richtige“ barrierefreie Gestaltung zuverlässig vermeiden.
Früh anfangen + kompetente Partner einbinden
Barrierefrei-Konzepte werden idealerweise interdisziplinär und planungsbegleitend entwickelt. Nur so lassen sich maßgeschneiderte und gleichzeitig wirtschaftliche Lösungen schaffen. Die frühzeitige Einbindung von erfahrenen Architekt:innen oder Fachplanenden ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Denn je früher sich alle Beteiligten zum geforderten oder gewünschten Maß an Barrierefreiheit abstimmen, desto besser können gemeinsam bedarfsgerechte Konzepte, aber auch Kompromisse gefunden werden und zeitraubende Umplanungen, teure Nachrüstungen sowie Verzögerungen bei der Genehmigung vermieden werden. In unserer bfb-Experten-Datenbank finden Sie kompetente Ansprechpartner in Ihrer Nähe.
Reale Projekte als Orientierung zum „Abschauen“
Barrierefrei-Konzepte sind daher immer häufiger fester Bestandteil der Planung – gerade bei öffentlich zugänglichen Gebäuden und im Neubau ebenso wie im Bestand. Form, Inhalt und Darstellung von Barrierefrei-Konzepten sind dabei vom Gesetzgeber nicht vorgegeben. Umso hilfreicher sind daher konkrete Beispiel-Konzepte, Vorlagen und Symbole für Barrierefrei-Pläne. Genau hier setzt das neue Handbuch an: Mit nachvollziehbaren Praxisbeispielen, an denen Sie orientieren können und direkt einsetzbaren Vorlagen und Planzeichen. Die enthaltene Schritt-für-Schritt-Anleitung erleichtert den Einstieg in das komplexe Thema und vermittelt das nötige Fachwissen, um Barrierefreiheit frühzeitig zu berücksichtigen und schlüssige Barrierefrei-Konzepte für individuelle Bauvorhaben zu erstellen. Lassen Sie sich von diesen Beispiel-Konzepten inspirieren und nutzen Sie sie als Orientierung für Ihre eigenen Projekte.
