Barrierefrei bauen in NRW

Alles neu: BauO NRW + VV TB + BauPrüfVO:
Grundlegende Änderungen in Sachen Barrierefreiheit

In NRW gilt seit dem 1. Januar 2019 eine neue Bauordnung (BauO NRW). Damit ändern sich die Anforderungen an die Barrierefreiheit grundlegend. Ab sofort müssen (fast) alle Wohnungen barrierefrei sein. Fast bedeutet, ab Gebäudeklasse 3 bis 5, also in Mehrfamilienhäusern. Damit ist NRW Vorreiter in Deutschland.

AnmeldungÖffentlich zugängliche Gebäude müssen „in erforderlichen Umfang“ barrierefrei sein. Darüber hinaus wurde die DIN 18040 endlich eingeführt. Allerdings gelten die Teile 1 und 2 der DIN 18040 nicht eins zu eins, sondern mit zahlreichen NRW-spezifischen Ausnahmen und Besonderheiten. Hier gibt es eine kurze Zusammenfassung dazu. Was also „barrierefrei“ und „in erforderlichem Umgang“ in NRW konkret bedeutet, sorgt für viele Fragen und ist in unterschiedlichsten Verordnungen geregelt.

Barrierefrei-Konzept wird Pflicht

Darüber hinaus fordert NRW für große Sonderbauten im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ein Barrierefrei-Konzept, in dem die vorgesehenen Maßnahmen detailliert darzustellen und nachzuweisen sind. Brandschutzkonzepte müssen Angaben zur Mobilität und Selbsthilfefähigkeit der Nutzer und zu deren Evakuierung beinhalten. So verlangt es die neue Verordnung über bautechnische Prüfungen (BauPrüfVO). 


bfb-Seminar – Barrierefrei bauen in NRW

Das bfb-Seminar „Barrierefrei bauen in NRW“ am 13. Mai 2019 vermittelt die neuen Vorgaben an das Barrierefreie Bauen. In einzelnen Themen-Blöcken erläutern die Referentinnen die Anforderungen und Schutzziele und zeigen bedarfsgerechte Lösungen für verschiedene Gebäudearten und Nutzungen. Die Teilnehmer erfahren, wie sie diese Maßnahmen in einem schlüssigen Barrierefrei-Konzept nach BauPrüfVO sicher nachweisen können. Die Referentinnen befassen sich dabei sowohl mit der Darstellung anhand von Symbolen und Planzeichen sowie der textlichen Beschreibung der Maßnahmen. Diskutiert wird auch der Umgang mit Ausnahmen, z. B. beim Bauen im Bestand, aufgrund von unverhältnismäßigen Mehraufwand oder bautechnischen Gründen, sowie Kompensationsmaßnahmen.

Anmeldung

 


Das bfb-Seminar gibt Antworten auf folgende Fragen:

  • Welche neuen Anforderungen gelten an die Barrierefreiheit in NRW? Wie ist barrierefrei definiert?
  • Welche Besonderheiten sind bei Wohn- und Nichtwohngebäuden sowie öffentlich zugänglichen Gebäuden und Sonderbauten zu beachten?
  • Wann muss ein Barrierefrei-Konzept vorgelegt werden und wie werden die Maßnahmen darin dargestellt?
  • Wie können nötige Ausnahmen, z. B. beim Bauen im Bestand, begründet werden?

PDF-Flyer zum bfb-Seminar – Barrierefrei bauen in NRW

Seminar-Programm im Überblick

Uhrzeit Programmpunkt
ab 9:00 Uhr Akkreditierung / Ausgabe der Unterlagen
09:30 Uhr
Begrüßung Tanja Buß
09:45 Uhr Block 1 Nadine Metlitzky
Neue Anforderungen an die Barrierefreiheit nach BauO NRW und begleitenden Vorschriften
11:00 Uhr Kaffeepause
11:30 Uhr Block 2 Nadine Metlitzky
Konsequenzen für die verschiedenen Gebäudearten/Nutzungen und
Nachweis im Baugenehmigungsverfahren
12:45 Uhr Mittagspause
13:45 Uhr Block 3 Stephanie Hess
Barrierefrei-Konzept
– Aufbau + Inhalt sowie Darstellung in Barrierefrei-Plänen
14:45 Uhr Kaffeepause
15:15 Uhr Block 4 Stephanie Hess und Nadine Metlitzky
Beispiele für Wohn- und Nichtwohngebäude aus Neubau und Bestand
16:15 Uhr Block 5 Stephanie Hess und Nadine Metlitzky
Barrierefrei  konkret – Teilnehmerfragen und Abschlussdiskussion
ca. 16:45 Uhr Ende

Das bfb-Seminar richtet sich an alle, die Bauprojekte in NRW planen und Barrierefrei-Konzepte erstellen oder daran mitwirken, bzw. vorgelegte Konzepte prüfen und genehmigen, also Architekten, Ingenieure und Planer, Vertreter von Bau- und Genehmigungsbehörden sowie Behindertenbeauftragte und Interessenvertreter. Durch den intensiven Austausch erhalten Sie hilfreiche Anregungen und Tipps für den sicheren Nachweis der Barrierefreiheit. Sie erfahren, mit welchen Maßnahmen Sie die Anforderungen sicher erfüllen und erhalten das nötige Handwerkszeug, um schlüssige Barrierefrei-Konzepte erstellen und beurteilen zu können. So können Sie die neuen Anforderungen prüffähig nachweisen und damit späteren Nachbesserungen und Kostensteigerungen sicher vorbeugen. Plus: Raum für Ihre Fragen! Das bfb-Seminar bietet außerdem ausreichend Zeit für individuelle Fragen zu eigenen Projekten.

Anmeldung

Teilnehmer erhalten Fortbildungspunkte der Architektenkammer NRW sowie der Ingenieurkammer Bau NRW (angefragt.)


Geforderte Angaben im Barrierefrei-Konzept nach § 9a BauPrüfVO NRW

Im Sinne einer schutzzielorientierten und objektkonkreten Bewertung der baulichen, technischen und organisatorischen Anforderungen muss das Konzept alle geplanten Maßnahmen aufzeigen und die nötigen Angaben enthalten, die zur Prüfung und Beurteilung der Barrierefreiheit im Genehmigungsverfahren erforderlich sind. Gefordert sind eine zeichnerische Darstellung sowie ein schriftlicher Erläuterungsbericht. Das Konzept muss bezogen auf das individuelle Projekt insbesondere Angaben enthalten zu

  • barrierefreie Erreichbarkeit und Zugänge
  • PKW-Stellplätze
  • Flurbreiten
  • Türbreiten, Türschwellen, Türanschläge und Türöffnungsmöglichkeiten
  • Rampen, Neigungen, Gefälle
  • Anordnung von Bedienelementen
  • barrierefreie Sanitärräume inkl. Anordnung barrierefreier Sanitärobjekte
  • Bewegungsflächen
  • Orientierungshilfen
  • Erläuterungen zu Ausnahmen wegen unverhältnismäßigen Mehraufwand usw.

Symbole zur Kennzeichnung in Plänen und Bauvorlagen

Barrierefrei-Konzept und Symbole (Quelle: Kempen Krause Ingenieure)

Unerlässlich zur eindeutigen Darstellung in den Plänen sind Symbolen und Planzeichen. Diese Symbole kennzeichnen die einzelnen Maßnahmen und barrierefreien Ausstattungselemente, wie z.B. Glasmarkierungen, Leitsysteme, Bewegungsflächen, barrierefreie Bedienelemente usw. Ein solches Barrierefrei-Konzept gibt damit allen Beteiligten eine genaue Orientierung und zeigt im Einzelnen, welche Maßnahmen wo im Gebäude vorgesehen sind. Damit erleichtert es die frühzeitige Abstimmung und liefert eine prüffähige und nachvollziehbare Grundlage für das Genehmigungsverfahren. Nötige Ausnahmen nach § 49 Abs. 3 BauO NRW, wie sie z. B. beim Bauen im Bestand aufgrund baulicher Zwänge nötig sein können, können im Konzept beschrieben und Kompensationsmaßnahmen erläutert werden.

Atlas barrierefrei bauen – mit Symbolen und Piktogrammen
Wie man ein Barrierefrei-Konzept in der Praxis erstellt, erläutert auch der Atlas barrierefrei bauen. Darüber hinaus liefert er Symbole und Piktogramme zum direkten Download und individuellen Verwendung in Ihrem Projekt. Mehr dazu >>

Die Referentinnen

Dipl.-Ing. (FH) Nadine Metlitzky

  • Architektin
  • ö.b.u.v. SV für Barrierefreies Bauen (IHK Erfurt)
  • Inhaberin Factus 2 Institut: Forschungs- und Seminarinstitut für Barrierefreies Bauen
  • Mitglied im VDI-Fachausschuss Barrierefreiheit
  • Herausgeberin „Atlas barrierefrei bauen“
Dipl.-Ing. (FH) Stephanie Hess

  • Architektin
  • DIN-Geprüfte Fachplanerin barrierefrei Bauen
  • Leiterin der Fachgruppe Barrierefreiheit bei der Kempen Krause Ingenieure GmbH in Aachen
  • Vorsitz im VDI-Fachausschuss Barrierefreiheit
  • Mitautorin „Atlas barrierefrei bauen“ und „Barrierefrei-Konzept“

Mit freundlicher Unterstützung von:

Fachplaner und Experten einbinden

Je nach Komplexität des Vorhabens empfielt es sich,  Experten für barrierefreies Bauen  einzubinden. Fachplaner und Sachverständige mit einer entsprechenden Weiterbildung sind z. B. in der bfb-Experten-Datenbank zu finden.


Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen
(Landesbauordnung 2018 – BauO NRW 2018) – relevante Auszüge

 § 49 Barrierefreies Bauen 

(1) In Gebäuden der Gebäudeklassen 3 bis 5 mit Wohnungen müssen die Wohnungen barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sein.

(2) Bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, müssen im erforderlichen Umfang barrierefrei sein. Öffentlich zugänglich sind bauliche Anlagen, wenn und soweit sie nach ihrem Zweck im Zeitraum ihrer Nutzung von im Vorhinein nicht bestimmbaren Personen aufgesucht werden können. Wohngebäude sind nicht öffentlich zugänglich im Sinne dieses Absatzes.  

(3) Die Absätze 1 und 2 gelten jeweils nicht, soweit die Anforderungen wegen schwieriger Geländeverhältnisse oder wegen ungünstiger vorhandener Bebauung nur mit einem unverhältnismäßigen Mehraufwand erfüllt werden können.

 § 50 Sonderbauten 

(1) An Anlagen und Räume besonderer Art oder Nutzung (Sonderbauten) können im Einzelfall zur Verwirklichung der allgemeinen Anforderungen nach § 3 Absatz 1 besondere Anforderungen gestellt werden. Erleichterungen können gestattet werden, soweit es der Einhaltung von Vorschriften wegen der besonderen Art oder Nutzung baulicher Anlagen oder Räume oder wegen besonderer Anforderungen nicht bedarf. Die Anforderungen und Erleichterungen nach den Sätzen 1 und 2 können sich insbesondere erstrecken auf […]

16. die barrierefreie Nutzbarkeit, […]  

(2) Große Sonderbauten sind

  1. Hochhäuser (Gebäude mit einer Höhe nach § 2 Absatz 3 Satz 2 von mehr als 22 m),
  2. bauliche Anlagen mit einer Höhe von mehr als 30 m,
  3. Gebäude mit mehr als 1 600 m² Grundfläche des Geschosses mit der größten Ausdehnung; ausgenommen Gewächshäuser ohne Verkaufsstätten, die einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb oder einem Betrieb der gartenbaulichen Erzeugung dienen sowie Wohngebäude,
  4. Verkaufsstätten, deren Verkaufsräume und Ladenstraßen eine Grundfläche von insgesamt mehr als 2 000 m² haben,
  5. Büro- und Verwaltungsgebäude mit mehr als 3 000 m² Geschossfläche,
  6. Versammlungsstätten
    a) mit Versammlungsräumen, die insgesamt mehr als 200 Besucherinnen und Besucher fassen, wenn diese Versammlungsräume gemeinsame Rettungswege haben,
    b) im Freien mit Szenenflächen oder Freisportanlagen mit Tribünen, die keine Fliegenden Bauten sind, und insgesamt mehr als 1 000 Besucherinnen und Besucher fassen,
  7. Schank- und Speisegaststätten mit mehr als 200 Gastplätzen in Gebäuden oder mehr als 1 000 Gastplätzen im Freien, Beherbergungsstätten mit mehr als 30 Betten und Vergnügungsstätten, 
  8. Krankenhäuser,
  9. Wohnheime,
  10. Tageseinrichtungen für Kinder, Menschen mit Behinderung und alte Menschen, sonstige Einrichtungen zur Unterbringung und Pflege von Personen, ausgenommen Tageseinrichtungen einschließlich der Tagespflege für nicht mehr als zehn Kinder, § 47 Absatz 5 gilt entsprechend,
  11. Schulen, Hochschulen und ähnliche Einrichtungen,
  12. Justizvollzugsanstalten und bauliche Anlagen für den Maßregelvollzug,
  13. Camping- und Wochenendplätze,
  14. Freizeit- und Vergnügungsparks,
  15. Fliegende Bauten, soweit sie einer Ausführungsgenehmigung bedürfen,
  16. Regallager mit einer Oberkante Lagerguthöhe von mehr als 9 m,
  17. bauliche Anlagen, deren Nutzung durch Umgang oder Lagerung von Stoffen mit Explosions- oder erhöhter Brandgefahr verbunden ist,
  18. Garagen mit mehr als 1 000 m² Nutzfläche.

Verordnung über bautechnische Prüfungen (BauPrüfVO) vom 10. Dezember 2018 – relevante Auszüge

§ 9 Brandschutzkonzept 

(1) Das Brandschutzkonzept ist eine zielorientierte Gesamtbewertung des baulichen und abwehrenden Brandschutzes bei Sonderbauten durch den in § 54 Absatz 3 BauO NRW 2018 bestimmten Personenkreis.

(2) Das Brandschutzkonzept muss insbesondere folgende Angaben enthalten: […]

6. die höchstzulässige Zahl der Nutzer der baulichen Anlage, deren Mobilität und Grundzüge der Evakuierung, […]

§ 9a Barrierefrei-Konzept

 (1) Den Bauvorlagen für neu zu errichtende öffentlich-zugängliche Gebäude gemäß § 49 Absatz 2 BauO NRW 2018, die große Sonderbauten gemäß § 50 Absatz 2 BauO NRW 2018 – mit Ausnahme von Gebäuden im Zuständigkeitsbereich von Polizei und Justiz – sind, ist ein Barrierefrei-Konzept beizufügen.

(2) Das Barrierefrei-Konzept ist eine schutzzielorientierte objektkonkrete Bewertung der baulichen, technischen und organisatorischen Anforderungen der Barrierefreiheit, die für die Prüfung im Genehmigungsverfahren relevant sind.

(3) Der Nachweis der Barrierefreiheit muss insbesondere folgende Angaben enthalten:

  1. barrierefreie Erreichbarkeit der baulichen Anlage, barrierefreie Gebäudezugänge,
  2. Ausführung der PKW-Stellplätze und deren Abmessungen,
  3. Flurbreiten,
  4. Türbreiten, Türschwellen, Türanschläge, Türöffnungsmöglichkeiten,
  5. Aufzüge, Fahrtreppen,
  6. Treppen, Handläufe,
  7. Rampen einschließlich Neigungen, Gefälle,
  8. Anordnung von Bedienelementen,
  9. barrierefreie Sanitärräume, barrierefreie Anordnung Sanitärobjekte,
  10. Abmessungen der Bewegungsflächen,
  11. Orientierungshilfen sowie
  12. Ausführungen zu § 49 Absatz 3 BauO NRW 2018.

Die Angaben sind in einem schriftlichen Erläuterungsbericht zu formulieren und durch zeichnerische Darstellung der baulichen Anforderungen unter Angabe der technischen Anforderungen zu ergänzen.

 

 

Ein Kommentar

Kommentare sind geschlossen.