Barrierefreiheit in der Immobilienbewertung | Neue ImmoWertV 2021

Das deutsche Wertermittlungsrecht wird grundlegend novelliert und soll noch in der 1. Jahreshälfte 2021 in Kraft treten. Die Novellierung betrifft auch die Barrierefreiheit von Gebäuden.

Quelle: Sprengnetter Innovationstagung für Immobilienmakler + Jahreskongress Immobilienbewerter

Mit der neuen ImmoWertV 2021 wird die Barrierefreiheit Grundlage der Wertermittlung. Denn sie wird als neues Ausstattungs- und Qualitätsmerkmal im Entwurf erstmals explizit genannt (§ 2, Abs. 3 Nr. 10 d). Immobilienbewerter, Architekten und Sachverständige müssen daher – wenn es so kommt –  bei jeder Wertermittlung auch die Barrierefreiheit des jeweiligen Objektes klären und bewerten – also überprüfen, ob die Anforderungen an die bauliche Barrierefreiheit erfüllt sind. In der Praxis wird das sicher nicht ganz leicht, da sich die Standards – anders als beispielsweise beim Wärmeschutz – je nach Bundesland, Gebäuderart und Nutzung deutlich unterscheiden.

Die bisherige ImmoWertV 2010 inkl. der begleitenden Richtlinien (Bodenrichtwertrichtlinie (BRW-RL), Sachwertrichtlinie (SW-LR), Vergleichswertrichtlinie (VW-RL), Ertragswertrichtlinie (EW-RL) und die Wertermittlungsrichtlinien 2006 (WertR 2006) soll Mitte 2021 durch eine vollständig überarbeitete und deutlich umfangreichere ImmoWertV 2021 mit ergänzenden Anwendungshinweisen (ImmoWertA) abgelöst werden.

Die Novellierung der ImmoWertV sowie die Neuerung im WEG waren auch Themen beim digitalen 29. Jahreskongress Immobilienbewertung sowie der Innovationstagung für Immobilienmakler von Sprengnetter. Sebastian Drießen, Senior Expert für den Bereich Marktwertermittlung bei Sprengnetter, fasste dort in seinen Vorträgen die wesentlichen Infos zur neuen ImmoWertV 2021 zusammen:

  • Mit einem Inkrafttreten sei in der ersten Jahreshälfte zu rechen (Bundesratsbeschluss nötig).
  • Die ImmoWertA mit ihren Muster-Anwendungshinweise wird voraussichtlich erst später erscheinen und von der Bauministerkonferenz erarbeitet.
  • In Sachen Barrierefreiheit stünden die Bewerter und Sachverständigen zukünftig vor der Herausforderung, die Barrierefreiheit bei allen Gebäuden beschreiben und eben auch bewerten zu müssen. Das sei Neuland, und nun gelte es sich mit entsprechenden Definitionen und Standards vertraut zu machen bzw. die geltenden Vorgaben zu kennen.
  • Fraglich sei, wie hoch der Werteinfluß des neuen Grundstückmerkmals Barrierefreiheit in der Praxis sein werde. Oder ob – je nach Lage – die Nachfrage ohnehin so hoch ist, dass die Barrierefreiheit kaum ins Gewicht fällt …
AtlasAtlas barrierefrei bauen – das Standardwerk zur Barrierefreiheit
Der Atlas fasst die gesetzlichen Anforderungen für barrierefreie Gebäude zusammen und zeigt, welche  Standards und Vorgaben für die verschiedenen Gebäudearten und Nutzungen gelten. Er liefert zahlreiche Beispiele und Lösungsvarianten für eine barrierefreie Gestaltung sowie Angaben zu Baukosten und Aufwand, auch für Nachrüstungen im Bestand. Mehr Infos >>
Die aktuellen Änderungen im WEG und der ImmoWertV sind auch Themen auf der 6. Fachtagung bfb barrierefrei bauen am 16. September 2021 >>

Mehr zum Thema Novellierung des Wertermittlungsrechts beim BMI >>

Verordnung über die Grundsätze für die Ermittlung der Verkehrswerte von Immobilien und der für die Wertermittlungerforderlichen Daten (Immobilienwertermittlungsverordnung–ImmoWertV), Referentenentwurf des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat,
Bearbeitungsstand: 01.02.2021 [Auszug]

§ 2 Grundlagen der Wertermittlung
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3) Der Grundstückszustand ergibt sich aus der Gesamtheit der rechtlichen Gegebenheiten, der tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Wertermittlungsobjekts (Grundstücksmerkmale). Zu den Grundstücksmerkmalen können insbesondere zählen
[…]
10. bei bebauten Grundstücken zusätzlich
[…]
d) die Ausstattung und die Qualität der baulichen Anlagen einschließlich ihrer energetischen Eigenschaften und ihrer Barrierefreiheit,
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