Barrierefreie, inklusive Spielplätze sind (noch) Mangelware, die Planung und Umsetzung – nicht zuletzt wegen schwer verständlicher Richtlinien und Normen – eine Herausforderung, die finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Oft ist unklar, wie viel Barrierefreiheit gefordert und sinnvoll ist. Dabei gilt auch hier: Weniger ist oft mehr.
„Inklusiv bedeutet nicht, eine Masse an Geräten für Kinder mit Behinderung zu installieren“, so die Aktion Mensch in ihren „Handlungsempfehlungen für Inklusive Spielplätze“ . „Nicht jedes Kind muss jedes Spielgerät in allen Dimensionen nutzen können. Ziel […] sollte es vielmehr sein, einen Raum zu schaffen, der allen Kindern Zugang, spielerische Abwechslung und Herausforderung bietet und auch Eltern, Familien und Angehörige miteinbezieht.“
Die barrierefreie Zugänglichkeit ist dabei der wichtigste Aspekt, darüber hinaus geht es um die Zugänglichkeit und Vielseitigkeit der Spielgeräte. Was die einzelnen DIN-Normen dazu regeln, fassen wir hier zusammen:
Anforderungen nach DIN 18040 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum
Nach DIN 18040-3:2014-12 müssen öffentlich zugängliche Grün- und Freizeitanlagen sowie Spielplätze barrierefrei zugänglich und nutzbar sein. In Abschnitt 7 werden dazu die folgenden Anforderungen definiert, insbesondere an die barrierefreie Zugänglichkeit:
- Hauptwege mind. 1,80 m breit, mind. 2,25 m hoch (außer Türen), an unvermeidlichen Engstellen mind. 90 cm breit, stufenlos
- Nebenwege mind. 90 cm breit, mit Bewegungsflächen mind. 1,50 m × 1,50 m in ausreichenden Abständen, z. B. in Sichtweite
- Längsneigung max. 3 % bzw. max. 6 % mit Zwischenpodesten zum Ausruhen, so dass auch für Rollstuhl- oder Rollatornutzende nutzbar, in Ausnahmefällen max. 12 % bei max. 1 m Länge
Wenn größere Neigungen aus topographischen Gründen unvermeidbar sind, sollten alternative barrierefreie Verbindungen angeboten werden. - Ebene, gut (erschütterungsarm) berollbare, rutschhemmende Wegeoberflächen
- Deutlich wahrnehmbare Gehwegbegrenzungen z.B. 3 cm hohe Rasenkanten oder visuelle/taktile Materialwechsel
- Sitzbänke in angemessenen Abständen
- Barrierefreies WC (wenn öffentlich zugängliche Sanitäranlagen vorhanden)
- Barrierefreie Spielplatzgeräte nach DIN 33942
- Orientierungshilfen zur Unterstützung des Auffindens wesentlicher Ziele, wobei taktile Elemente begrenzt bleiben sollten
- ggf. Tastmodell oder Reliefplan zur besseren Unterstützung von blinden und sehbehinderten Menschen
Anforderungen nach DIN EN 17210 Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umwelt – Funktionale Anforderungen
Die europäische Barrierefrei-Norm DIN EN 17210 definiert im Abschnitt 19.2 Spielplätze folgende Anforderungen:
- Barrierefreie Zugangswege und Verkehrsflächen zwischen den Spielelementen
- (taktile) Umgebungspläne mit den wichtigsten Spielgeräten/-elementen zu verzeichnen
- Eingänge zu Spielplätzen auch für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung kennzeichnen
- Wenn Türen zu separaten Spielbereichen vorhanden: einfach zu öffnen, ausreichende Breite für fahrbare Mobilitätshilfen
- Getrennte Spielbereiche für unterschiedliche Altersgruppen, um das Unfallrisiko zu senken
- Stoßdämpfende Oberflächen unter Spielgeräten (z. B. Rasen, Gummimatten)
- Abgeschrägte bzw. bündige Kanten, um Stolpern und Stürzen zu vermeiden
- Effektive Entwässerungssysteme
- Ausreichende Ausstattung mit barrierefreien Spielgeräten/-elementen
- Barrierefreie Spielgeräte in andere Spielgeräte integrieren
- Spielelemente nicht nur zur Stärkung der körperlichen, sondern auch der kognitiven, sensorischen und sozialen sowie kommunikativen Fähigkeiten
- Größtmögliche Auswahl von Spieloptionen und Spielweisen
- Spielbereiche zugänglich für Kinder und Erwachsene mit fahrbaren Mobilitätshilfen gestalten
- Sitzmöglichkeiten für Kinder und Begleitpersonen, mit Sichtbeziehung zu den Spielelementen
- Visueller Kontrast sowohl zur Umgebung als auch der Spielelemente/-geräte in sich
- Elemente und Bereiche zur Vermittlung von verschiedenen sensorischen Erfahrungen empfohlen, z. B. Klangerlebnisse, visuelle oder taktile Stimulation etc.
Weitere Normen und Richtlinien
- DIN 18034-1 Spielplätze und Freiräume zum Spielen – Anforderungen für Planung, Bau und Betrieb
- DIN/TR 18034-2 Spielplätze und Freiräume zum Spielen – Matrix mit Bewertungsschema für inklusive Spielräume Diese Vornorm ergänzt die allgemeine „Spielplatz-Norm“ DIN 18034-1 um Aspekte der Barrierefreiheit und Inklusion und unterstützt Planer und Betreiber bei der Gestaltung von inklusiven Spielräumen für Menschen mit und ohne Behinderung. Mehr Infos »
- DIN 33942 Barrierefreie Spielplatzgeräte – Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren
- Normenreihe DIN EN 1176 Spielplatzgeräte und Spielplatzböden
- DIN EN 1177 Stoßdämpfende Spielplatzböden
