Deutschlands Wohnungsmarkt befindet sich in Schieflage. Besonders in Städten übersteigt die Nachfrage das Angebot – Preise steigen, es gibt kaum noch Fluktuation, denn selbst wer sich räumlich verkleinern will, zahlt meist drauf. Mangels geeigneter und bezahlbarer Alternativen kommt es zu sogenannten Remanenzeffekten. Diese Bilanz zog der Wohnungsbau-Tag 2026 in Berlin.
Hinter dem Wohnungsbau-Tag stehen sieben Verbände und Organisationen der Bau- und Wohnungswirtschaft. Sie stellten auf dem Wohnungsbau-Tag eine aktuelle Studie des Bauforschungsinstitut ARGE aus Kiel und des Berliner Forschungsinstitut RegioKontext vor. Die Studie „Wohnungsbau in Deutschland: Bedarf und Erleichterung“ analysiert Angebote und Bedarfe, blickt auf Kosten und Finanzierung sowie aktuelle Ansätze für einfaches, kostengünstiges Bauens wie z.B. den Gebäudetyp E.
Wer wohnt wie?
Interessant ist dabei der Blick auf die Zusammenhänge zwischen bestehenden Wohn- und Altersstrukturen, benötigten Wohnformen und demografischen Entwicklungen. Denn es fehlen aus Sicht der Studienverfasser insbesondere kleine Wohnungen:
„Die demografische Entwicklung führt zu Haushaltsgrößen, die im Durchschnitt immer kleiner werden: Menschen leben länger als früher, auch länger allein, Familien sind kleiner als früher, durch Trennungen entstehen mehrere kleinere Haushalte etc. Dieser v.a. demografisch bedingten „Haushaltsverkleinerung“ steht indes ein weitgehend gleicher Wohnraum gegenüber.“

Über- und Unterversorgung sowie Fehlallokationen auflösen
Es zeigen sich deutliche Fehlallokationen in der bestehenden Wohnraumversorgung. Einerseits leben immer mehr Menschen in beengten Wohnverhältnissen, während zugleich insbesondere ältere Ein- und Zweipersonenhaushalte über vergleichsweise große Wohnflächen verfügen. In dieser parallelen Über- und Unterversorgung sehen die Verfasser einen zunehmend erstarrten Wohnungsmarkt.

Umzugsgeschehen in Gang bringen – durch passgenauen Neubau
Die Studie sieht den demografischen Wandel nicht als Entlastungsfaktor, auch wenn Bevölkerungszahlen kaum wachsen: „Die Nachfrage am Wohnungsmarkt wird von den Haushalten artikuliert [...]. Absolut betrachtet steigt ihre Zahl seit Jahren kontinuierlich an – vor allem infolge fortschreitender Singularisierung und demografischer Prozesse.
In der aktuellen Wohnraumsituation verfestigen sich die Verhältnisse: Die Fluktuation der ansässigen Bevölkerung nimmt ab. Neue Haushalte – ob durch Zuzug oder Haushaltsgründung – konkurrieren um wenige verfügbare Wohnungen, deren Preise aufgrund von Knappheit und hoher Nachfrage stetig steigen.
Um die Potenziale im Wohnungsbestand zu aktivieren, müssen insbesondere jene Haushalte in den Blick genommen werden, die überdurchschnittlich gut mit Wohnraum ausgestattet sind. Ihre konkreten Bedarfslagen, Anforderungen und mögliche Anreize sind entscheidend, um fehlende Wohnungstypen gezielt zu ergänzen. Eine besondere Rolle spielen insbesondere ältere Menschen, die in zu großen und nicht altersgerecht ausgestatteten Wohnungen wohnen. Auch in der zweiten Lebenshälfte können sich Menschen einen Umzug vorstellen – Voraussetzungen sind passende Alternativen vor Ort.
Durch aktivierende Angebote – etwa Neubau, bauliche Ergänzungen oder Modernisierung an anderer Stelle im Bestand – kann unpassend gewordener Wohnraum freigezogen werden.
In ihrem Fazit kommt die Studie daher zu dem Schluss: „Der demografische Wandel verschärft diese Anforderungen zusätzlich und führt zu einem steigenden Bedarf an barrierearmen und altersgerechten Wohnangeboten.“
