Bautechnisch eingeführt in Hamburg

Neue VV TB in Hamburg – Mai 2021 – mit Änderungen für öffentlich zugängliche Gebäude
Hamburg hat seine Technischen Baubestimmungen geändert. Wie in vielen anderen Bundesländern mittlerweile auch wurde dabei diese bislang geltende Einschränkung gestrichen:„Die in Abschnitt 4.4 und 4.7 genannten Hinweise und Beispiele können im Einzelfall berücksichtigt werden.“ Das bedeuted im Umkehrschluss, dass für öffentlich zugängliche Gebäude  jetzt auch die Abschnitte 4.4 „Warnen/Orientieren/Informieren/Leiten“ und 4.7 „Alarmierung und Evakuierung“ der DIN 18040-1 gelten und bauaufsichtlich eingeführt sind.  Diese vermeintlich kleine Streichung hat in der Praxis weitreichende Konsequenzen für Kennzeichnungen, Leitsysteme und Brandschutz in öffentlich zugänglichen Gebäuden:

  • Informationen für die Gebäudenutzung, die warnen oder leiten, müssen jetzt auch für Menschen mit sensorischen Einschränkungen geeignet sein und mind. nach dem Zwei-Sinne-Prinzip erfolgen (visuell, auditiv, taktil).
  • Gefahrenstellen müssen für blinde und sehbehinderte Menschen gesichert sein, z.B. durch taktile und stark kontrastierende Kennzeichnungen.
  • Flure und Verkehrsflächen sollen lückenlos mit Leitsystemen ausgestattet sein, in größeren Gebäudekomplexen inkl. der dazugehörigen Außenanlagen.
  • In Brandschutzkonzepten müssen die Belange von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden und entsprechende Lösungen gefunden werden, z.B. durch sichere Bereiche für den Zwischenaufenthalt nicht zur Eigenrettung fähiger Personen, zusätzliche visuelle oder akustische Warnmelder etc.

2. bfb-Symposium „Brandschutz & Barrierefreiheit“ – hybrid

Erlass der Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (VV TB) vom 25. Mai 2021

Anlage 4.2/2 zur DIN 18040‑1

Die Einführung bezieht sich auf die baulichen Anlagen oder die Teile baulicher Anlagen, die nach § 52 Abs. 2 HBauO barrierefrei sein müssen und öffentlich zugänglich sind. Tagesstätten für Kleinkinder sind davon ausgenommen.

Bei der Anwendung der Technischen Baubestimmung gilt Folgendes:

  1. Abschnitt 4.3.7 ist von der Einführung ausgenommen. Die in Abschnitt 4.4 und 4.7 genannten Hinweise und Beispiele können im Einzelfall berücksichtigt werden.
  2. Abschnitt 4.3.6 muss nur auf notwendige Treppen angewendet werden.
  3. Mindestens ein Toilettenraum für Benutzer muss Abschnitt 5.3.3 entsprechen; Abschnitt 5.3.3 Satz 1 ist nicht anzuwenden.
  4. Barrierefreie Beherbergungsräume müssen den Abschnitten 5.1 und 5.3 entsprechen; für die Bewegungsflächen in den Wohn- und Schlafräumen ist DIN 18040‑2 Abschnitt 5, Anforderungen mit der Kennzeichnung „R“ anzuwenden.
  5. Die Abschnitte 4.2.1, 4.3.6 und 4.3.8 finden auch auf nicht gebäudebezogene Hauptwege Anwendung.

Hinweis: Technische Regeln, auf die in dieser Norm verwiesen wird, sind von der Einführung nicht erfasst.
Hamburg regelt notwendige Stellplätze sowie Stellplätze für Menschen mit Behinderungen
abschließend in der Fachanweisung 01/2013 „Notwendige Stellplätze und notwendige Fahrradplätze“

Arbeitshilfe zur DIN 18040
Diese Arbeitshilfe speziell für alle 16 Bundesländer führt den Volltext der DIN 18040 mit den Vorgaben aus den Verwaltungsvorschriften der Technischen Baubestimmungen sowie den Bauordnungen in einer konsolidierten Fassung zusammen und ermöglicht Ihnen so mehr Übersicht. Die geltenden bzw. ausgenommenen Abschnitte der DIN 18040 sind deutlich markiert.
Zur Arbeitshilfe >>

Anlage 4.2/3 zur DIN 18040‑2

Die Einführung bezieht sich auf

  • Wohnungen, soweit sie nach § 52 Abs. 1 HBauO barrierefrei sein müssen, und
  • Wohnungen und Aufzüge, soweit sie nach § 37 Abs. 4 HBauO stufenlos erreichbar sein müssen und
  • Heime, Wohnungen und gleichartige Einrichtungen, soweit sie nach § 52 Abs. 3 HBauO barrierefrei sein müssen. Heime für Kleinkinder sind davon ausgenommen.
    Bei der Anwendung der Technischen Baubestimmung ist Folgendes zu beachten:
  1. Die Abschnitte 4.3.6 und 4.4 sowie alle Anforderungen mit der Kennzeichnung „R“ sind von der Einführung ausgenommen.
  2. Für Wohnungen nach § 52 Abs. 1 HBauO genügt es, wenn ein Fenster eines Aufenthaltsraums Abschnitt 5.3.2 Satz 2 entspricht.
  3. Für die stufenlose Erreichbarkeit nach § 37 Abs. 4 HBauO genügt es, wenn Eingänge Abschnitt 4.3.3.2 Tabelle 1 Zeile 1, Bewegungsflächen an Türen Abschnitt 4.3.3.4 und Rampen Abschnitt 4.3.7 entsprechen.

Hinweis: Technische Regeln, auf die in dieser Norm verwiesen wird, sind von der Einführung nicht erfasst.

Atlas barrierefrei bauen – Überblick
Alle 16 Arbeitshilfen sind im Rahmen des „Atlas barrierefrei bauen“ inklusive und automatisch in Ihrer bfb Medien-App freigeschaltet. Der Atlas barrierefrei bauen bündelt die aktuellen gesetzlichen und normativen Vorgaben, liefert umfassende Planungshilfen und zeigt praxiserprobte Lösungen und Details für alle Bauaufgaben, Bauteile und Nutzergruppen. Mehr dazu >>