Zwischen Bewahren, Barriereabbau und Teilhabe
Baudenkmäler sind ein wichtiges kulturelles Erbe, das bewahrt und im besten Fall aktiv genutzt werden soll. Leider sind sie selten barrierefrei, was den Zugang für Menschen mit Behinderungen erschwert und damit eine inklusive Nutzung verhindert. Besonders deutlich wird dieses Problem bei bedeutenden Denkmalen mit öffentlicher Nutzung – etwa Theatern, Museen oder Veranstaltungsorten.
Der Abbau von Barrieren gerät hier häufig in Konflikt mit den Erhaltungszielen des Denkmalschutzes. Eine „normgerechte" Barrierefreiheit lässt sich im Bestand ohnehin meist nicht umsetzen – manchmal ist sie auch gar nicht sinnvoll. Betreiber, Eigentümerinnen, Architekten sowie Genehmigungsbehörden stehen dadurch vor schwierigen Abstimmungen und immer wieder vor derselben Frage: Denkmalschutz oder Barrierefreiheit – was hat Vorrang? Im besten Fall stellt sich diese Frage am Ende nicht, weil alle Beteiligten gemeinsam Lösungen finden, die den Denkmalwert respektieren und gleichzeitig eine bedarfsgerechte Teilhabe, abgestimmt auf das individuelle Ensemble und dessen Nutzergruppen, ermöglicht.
Denkmalschutz vs. Barrierefreiheit – Systematischer Lösungsansatz statt starrer Checklisten
Referentin Susanne Trabandt zeigt in ihrem Vortrag, dass Barriereabbau im Denkmal kein Abhaken normativer Vorgaben ist, sondern einen systematischen Lösungsansatz erfordert, der auf den Einzelfall zugeschnitten ist:
- Nutzergruppen differenzieren: Die Unterscheidung nach spezifischen Bedarfen der jeweiligen Nutzergruppen bildet den Ausgangspunkt jeder Bestandsbewertung.
- Schutzziele konkret hinterfragen: Welches Schutzziel wird für welche Nutzergruppe verfehlt – und welche Konsequenzen ergeben sich daraus in der Praxis?
- Anforderungen priorisieren: Nicht jede Maßnahme ist gleich dringlich. Der Vortrag liefert Vorschläge, wie sich Anforderungen im Bestand sinnvoll staffeln lassen – von der akuten Sicherheitsgefährdung bis zur reinen Komfortverbesserung.
- Kompensationsmaßnahmen bewerten: Wo Lösungen nicht möglich sind, braucht es tragfähige Alternativen. Susanne Trabandt stellt mögliche Kompensationsmaßnahmen anhand von Beispiele vor und ordnet sie fachlich ein.
Der Vortrag bietet damit eine praxisnahe Orientierungshilfe und anschauliche Beispiele für alle, die im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Barrierefreiheit Entscheidungen treffen oder Planungsprozesse begleiten müssen. Die Teilnehmenden erhalten konkrete Ansätze, wie sich Schutzziele des Denkmals und Teilhabebedarfe von Nutzerinnen und Nutzern in Einklang bringen lassen – jenseits starrer Norm-Erfüllung, aber mit klarer fachlicher Systematik.
Mehr dazu auf der 11. Fachtagung bfb barrierefrei bauen am 15. Oktober 2026 »
Dipl.-Ing. Susanne Trabandt ist Architektin, Sachverständige für Barrierefreies Planen und Bauen sowie Vorstandsvorsitzende vom WohnXperium e.V. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Aus- und Weiterbildung und gehört zum Autorenteam des „ Atlas barrierefrei bauen “.
