DIN 18065 Gebäudetreppen – Normentwurf ohne Vorgaben für barrierefreie Treppen

Screenshot zum Entwurf DIN 18065:2019-11 Gebäudetreppen (Quelle: Norm-Entwurfsportal des DIN)

Druckfrisch liegt ein Entwurf zur DIN 18065:2019-11 „Gebäudetreppen – Begriffe, Messregeln, Hauptmaße“ vor. Online kann dieser im Norm-Entwurfsportal des DIN bis zum Ende der Einspruchsfrist am 4. Dezember 2019 eingesehen und kommentiert werden.

Die richtige Gestaltung von Treppen hat großen Einfluss auf die Sicherheit und Barrierefreiheit von Gebäuden, auch wenn eine Treppe natürlich nie ganz barrierefrei sein kann. Dennoch können Treppen für Personen mit bestimmten Einschränkungen – bei der richtigen Gestaltung – durchaus gut nutzbar sein. Wichtig sind u.a. die richtigen Abmessungen und Steigungsverhältnisse, deutlich sichtbare Stufenmarkierungen, beidseitige Handläufe, Rutschsicherheit usw.  Gleichzeitig sorgen diese Maßnahmen zur Barrierefreiheit auch für ein erhöhtes Maß an Verkehrssicherheit.

Trotz hohem Unfallrisiko – Keine Neuerungen zu barrierefreien Treppen

„Mit dieser Überarbeitung … werden einige Regelungen deutlicher formuliert und … inhaltlich verbessert“, so steht es im Einführungsbeitrag des DIN. Bemerkenswert ist, dass es in Sachen barrierefreie Treppen keine Weiterentwicklung gibt. Und das obwohl Treppen ein hohes Unfallsrisiko bergen und immer wieder für Stürze verantwortlich sind. Nach wie vor enthält die  zentrale Treppennorm DIN 18065 jedoch keine Angaben zu Stufenmarkierungen & Co., obwohl sich durch diese und andere, einfache Maßnahmen das Unfallrisiko auf Treppen relativ einfach verringern ließe.

Nutzen Sie Ihre Chance, die Norm aktiv mitzugestalten: Bis zum 4. Dezember 2019 können Kommentare, Stellungnahmen und Änderungsvorschläge online eingebracht werden. Hier geht es zum kostenlosen Norm-Entwurfsportal des DIN >>

In Sachen Barrierefreiheit verweist E DIN 18056:2019-11 in der Einleitung auf die Normenreihe DIN 18040: „Müssen bauliche Anlagen Anforderungen an das Barrierefreie Bauen erfüllen, sind die entsprechenden Regelungen der jeweiligen Landesbauordnungen sowie die DIN 18040‑1 und DIN 18040‑2 mit den Anlagen der in den Bundesländern jeweils geltenden Technische Baubestimmungen zu beachten. Daraus können sich ergänzende Anforderungen u. a. an Treppen ergeben, beispielsweise zur Laufgestaltung und Stufenausbildung, zu Handläufen und zu Orientierungshilfen an Treppen und Einzelstufen.“

Unfallsrisiko Treppe und demografische Entwicklung

Jährlich ereignen sich in Deutschland über 1.000 tödliche Unfälle durch Treppenstürze (1.271 Tote in 2015). Dabei fällt auf, dass die Anzahl der tödlichen Unfälle mit dem Alter steigt und insbesondere ältere Menschen gefährdet sind (Quelle: Destatis). Mit knapp 45.000 meldepflichtigen Unfällen spielen Treppen auch bei Arbeitsunfällen eine bedeutende Rolle (Quelle: Statistik Arbeitsunfallgeschehen 2017, DGUV).

Lesen Sie hier mehr zum Thema Treppen und Verkehrssicherheit:
Urteil #8 – Risiko Treppenanlage: Verkehrssicherungspflichten & Co.

In diesem Zusammenhang heißt es in der Einleitung der E DIN 18065 weiter: „Die […] Norm stellt sicher, dass die grundsätzlichen, die Treppen betreffenden Anforderungen (der Gesetzgeber) in den Bauordnungen hinsichtlich der sicheren Begehbarkeit der Treppen im Regelfall der alltäglichen Nutzung ebenso wie der sicheren Benutzung der Treppe als Teil des Rettungsweges im Brandfall erfüllt werden. […]
Für bauliche Anlagen und Räume besonderer Art und Nutzung können – siehe MBO, § 51 – in den 16 Ländern Sondervorschriften des Bauordnungsrechtes dieser Länder bestehen […] .
Auch können das Arbeitsschutzrecht (z. B. Arbeitsstättenverordnung ArbStättV, Technische Regeln für Arbeitsstätten, Regelungen der Gesetzlichen Unfallversicherung) oder andere Rechts- und ggf. Verwaltungsvorschriften Festlegungen für Treppen enthalten, die über die Festlegungen dieser Norm hinausgehen (z. B. sind in Arbeitsstätten Wendel- und Spindeltreppen im Verlauf des ersten Rettungsweges unzulässig). Weitere Anforderungen bezüglich Trittsicherheit siehe ASR A1.5/1,2 „Fußböden“, ASR A1.8 „Verkehrswege“ und DGUV Information 208-005.
Des Weiteren können besondere Anforderungen für Kinder, behinderte und ältere Personen bestehen. […]“

Mehr zur richtigen Gestaltung von sicheren, barrierefreien Treppen im „Atlas barrierefrei bauen“ im Kapitel C 1 Treppen.