Denkmalgerechter Umbau des Lohgerbermuseums in Dippoldiswalde
Das LOHGERBER Museum & Galerie befindet sich in der um 1750 erbauten Lohgerberei in Dippoldiswalde im Osterzgebirge, Sachsen. Zu dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplex gehören das barocke Wohngebäude des Lohgerbers, die Lohgerberwerkstatt, eine Remise und ein Torhaus.
Stand der Barrierefreiheit vor dem Umbau
Bei der Gründung des Museums in den 1970er-Jahren hatte die Konservierung des damals bereits europaweit einzigartigen Gebäudebestands oberste Priorität. Da ein historischer Handwerksbetrieb per se nicht auf Schwellenfreiheit, breite Türen usw. ausgerichtet ist, war keines der Gebäude des Ensembles barrierefrei zugänglich.
Für eine moderne Museumsnutzung war dieser Zustand nicht länger haltbar, vor allem unter dem Gesichtspunkt einer stetig alternden (Stadt-) Gesellschaft. So waren mangels Aufzugs nicht nur motorisch eingeschränkte Besucher ausgeschlossen. Auch im Museumsbetrieb mussten alle Transporte von Ausstellungsstücken per Muskelkraft erfolgen. Der Innenhof und der daran anschließende Garten waren nicht barrierefrei erschlossen. Auch das bisherige Ausstellungskonzept war nicht barrierefrei. Ein Leitsystem war nicht vorhanden.
Barrierefreiheit nach dem Umbau – Verbindungsbrücke zwischen Werkstatt und Wohnhaus

Um die verschiedenen Ebenen des Ensembles barrierefrei zu erschließen, wurde im ehemaligen Wohnhaus ein Aufzug eingebaut und die Gebäude miteinander verbunden. Eine neue gläserne Brücke verbindet Wohnhaus und Lohgerberwerkstatt, gleicht dabei den Höhenunterschied aus und dient gleichzeitig als notwendiger zweiter Rettungsweg.
Energetisch betrachtet ist die Verbindungsbrücke, wie die Lohgerberwerkstatt, ein nicht beheiztes Gebäude. Dadurch vereinfachen sich nicht nur die Anschlussdetails, sondern es reduzieren sich auch die Bauteildicken. Das Bauteil konnte daher filigran ausgebildet werden, sodass das Ensemble im Sinne des Denkmalschutzes wenig beeinträchtigt ist. Das vorhandene Holztor zwischen Hof und Garten wurde belassen. In gleicher Ebene zum Tor verbirgt eine Verkleidung mit senkrechten Holzlatten die Verbindungsbrücke im ersten Obergeschoss. Die Eigenständigkeit von Wohnhaus und Lohgerberwerkstatt bleibt somit erhalten.
Zwischen dem Fußbodenniveau des ersten Obergeschosses im Wohnhaus und dem ersten Obergeschoss der Lohgerberwerkstatt ist ein Höhenunterschied von ca. 1,0 m zu überbrücken, was geometrisch nicht über eine Rampe zu lösen war. Daher wurden Treppe und erforderlicher Plattformlift innerhalb des gläsernen Brückenbauteils platziert. Die Brückenbreite musste um die Plattformliftbreite erhöht werden, blieb aber als neues Bauteil deutlich zurückgesetzt innerhalb des Bestandsensembles. In der Brücke befindet sich heute eine gut begehbare geradläufige Treppe mit einem seitlich platzierten, über eine ausreichend große Bewegungsfläche erreichbaren Plattformlift. Die Schienen des Plattformliftes bilden zugleich das Geländer.
Die neue Verbindungsbrücke inklusive Treppe und Lift ist nur ein Teil des umfangreichen Umbaus. Weitere Projekte, Details, Lösungen und Checklisten zur denkmalgerechten, barrierefreien Umgestaltung liefert der Atlas barrierefrei bauen . Der Umbau des Lohgerbermuseums wurde geplant vom Architekturbüro h.e.i.z.Haus zusammen mit BauEntwurf Pirna. Ausstellungsplanung und Leitsystem stammen von Atelier n.4.
Dies ist ein gekürzter Auszug aus dem „Atlas barrierefrei bauen“ (Hrsg: Nadine Metlitzky, Lutz Engelhardt), Kapitel A 7.3.2, Dorothea Becker, Ina Mahr, Franziska Müller.
Atelier n.4
Lohgerber Museum & Galerie Dippoldiswalde
Architekturbüro h.e.i.z.Haus
BauEntwurf Pirna GmbH