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AKTUELLES & TRENDS Mehr wert für alle Fachplanerinnen Nadine Metlitzky und Stephanie Hess erläutern im Interview, Aufwendig, teuer, komplex – dem Thema Barrierefreiheit kleben noch viele Etiketten an, nicht alle davon auch zu Recht. Unbestreitbar ist die Tatsache, dass durchaus widerstreitende Interessen im Spiel sind, die durch den Planer oder die Planerin moderiert werden müssen. Nichtsdestotrotz wird das barrierefreie Bauen in einigen Jahren so selbstverständlich sein wie heute der Brandschutz oder die energetische Optimierung. Stephanie Hess und Nadine Metlitzky stehen als Fachplanerinnen in der ersten Reihe, wenn es um die Entwicklung von Konzepten und die bauliche Umsetzung von Barrierefreiheit geht. Warum und für wen bauen wir eigentlich barrierefrei? Stephanie Hess: Wenn man barrierefreies Bauen als Bauen für Behinderte definiert, ist das nur die halbe Wahrheit. Denn Barrierefreiheit bringt einen Mehrwert für alle, nicht nur für Menschen mit Einschränkungen. Es kann sein, dass wir uns beim Skifahren die Knochen brechen und vorübergehend einen Gips haben oder dass wir mit Kinderwagen oder Rollkoffer unterwegs sind – in all diesen Situationen ist eine barrierefrei gestaltete Umwelt mehr wert. Nadine Metlitzky: Die Forderung nach Barrierefreiheit ist politisch, gesellschaftlich und sozialgesetzlich verankert. Wir müssen uns um alle Menschen kümmern. Daher kommt der Grundsatz, dass wir Gebäude so gestalten, dass sie für alle Menschen nutzbar sind. Barrierefreiheit bietet für jedermann ein Mehr an Komfort, eben weil es ein Ausstattungs und Qualitätsmerkmal ist. Ein taktiles Bodenleitsystem kann für Rollstuhlfahrer mitunter kontraproduktiv sein. Wie gehen Sie in der Praxis mit widerstreitenden Interessen der einzelnen Nutzergruppen um? Nadine Metlitzky: Dazu beschäftigen wir uns in der sogenannten Planungsphase null mit der Bedarfsplanung. Was soll das Gebäude können? Was ist dessen Hauptfunktion? Was findet dort statt? Sind diese Fragen beantwortet, weiß man auch, welche Nutzergruppen zu berücksichtigen und welche Ausstattungen sinnvoll sind. In der Tat sind nicht überall bodengebundene Leitsysteme notwendig. Es ist immer eine Abwägung zwischen Funktionen und Schutzzielen. Stephanie Hess: Gerade die bodengebundenen Leitsysteme, die für Personen mit Alle Fotos: Tanja Buß/Ulrich Wolf 1.2017 BARRIEREFREI planen & bauen 7


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