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KONZEPT & PLANUNG Gute und klare Lesbarkeit von Textelementen und ein ansprechendes Design sind kein Widerspruch. Kontraste – geben Orientierung Messtechnik Die kontrastreiche Gestaltung unserer gebauten Umwelt stellt für Sehbehinderte eine grundlegende Verbesserung der visuellen Orientierung und damit Selbstständigkeit dar. Für alle anderen Nutzer ist sie ein Komfort- und Sicherheitsgewinn. Nadine Metlitzky In der Normung zum barrierefreien Bauen wird zwischen zwei verschiedenen Kontrastanforderungen unterschieden. Für die Gefahrenkennzeichnungen wie beispielsweise Absperrungen, Gefahrenstellen oder Stufen im Außenbereich sind starke visuelle Kontraste mit einem Leuchtdichtekontrast von 0,7 und einem Reflexionsgrad 0,5 der helleren Fläche gefordert. Bei schrift- lichen Informationen in Schwarz-Weiß- Darstellungen muss der Kontrastwert sogar 0,8 sein. Etwas weniger kontraststark Foto: Brillux dürfen hingegen die Kennzeichnungen von Bedienelementen an Orientierungs- und Leitsystemen, also etwa Boden- und Stufenmarkierungen, transparente Glaswände oder Ganzglastüren sein. Hier genügt ein Kontrast von 0,4 sowie ein Reflexionsgrad von 0,5 für die hellere kontrastgebende Fläche. Um diesen Kontrast zwischen zwei verschiedenen Materialien, Flächen oder Farben zu bestimmen, gibt es unterschiedliche messtechnische und rechnerische Methoden. Die bekanntesten Messverfahren werden mithilfe von Farbanalysegeräten, Spezialkameras wie Leuchtdichtekameras, Spiegelreflexkameras (Methode Joos) und Luxmetern mit Vorsatz durchgeführt. Dabei wird das zu beurteilende Material direkt am eingebauten Ort oder auch unter bestimmten Beleuchtungszuständen im Labor lichttechnisch vermessen. Diese Methoden sind allerdings aufwendig und teuer. Weniger aufwendig ist es, Näherungswerte aus Farbtafeln abzulesen und diese in einem mathematischen Berechnungsmodell anzuwenden. Eine einfache und schnelle Berechnungsmethode ist die Ermittlung mittels der Michelson-Formel. Dabei wird die Differenz der Leuchtdichten des zu beurteilenden Objekts (z. B. die Beschriftung auf einem Schild) und der Leuchtdichte des Umfeldes (z. B. das Trägermaterial der Beschriftung) durch die Summe beider dividiert. Daraus entsteht ein Wert zwischen –1 und +1. Ein positives Rechenergebnis ergibt sich, wenn ein helles Objekt vor einem dunklen Hintergrund platziert ist, hier spricht man von einem Positivkontrast. Umgekehrt ergibt 22 BARRIEREFREI planen & bauen 1.2017


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