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KONZEPT & PLANUNG dem frühen 20. Jahrhundert nach Universal Design-Kriterien umgebaut. Beim Umbau musste nachträglich ein zweiter Handlauf im Treppenhaus installiert werden. Gleichzeitig durfte die Breite der ohnehin schmalen Treppe nicht eingeschränkt werden. Dazu wurde der zweite Handlauf einfach in die Wand verlegt. In Verbindung mit dem bauseits vorhandenen Geländer an der Treppeninnenseite ist nun die beidseitige Nutzung der Treppe durch Besucher mit Gangunsicherheiten möglich. Auch die öffentlich zugängliche Modellwohnung ist unter Beachtung der Universal Design-Gestaltungsprinzipien entstanden. Eine Kooperation der Lehrstühle Architektur und Ergotherapie mit einem vor Ort ansässigen Büro für Barrierefreiheit zeichnet Durch die zusätzliche Greifmöglichkeit am Tisch wird das Aufstehen und Hinsetzen für die Nutzer deutlich erleichtert. UNIVERSAL DESIGN Im Zeichen des demografischen Wandels Gerade im öffentlichen Raum spielt die generationenübergreifende und einfache Nutzbarkeit eine wichtige Rolle. Universal Design hat zum Ziel, Produkte und architektonische Gesamtlösungen hervorzubringen, die von einer möglichst breiten Anwendergruppe benutzt, bedient oder bewohnt werden können. Die Gestaltungsprinzipien des Universal Design nehmen einen immer breiteren Raum in unserer Gesellschaft ein. Gerade in Deutschland besteht großer Handlungsdruck, Foto: Mormor denn nach Japan hat Deutschland die zweitälteste Bevölkerungsstruktur der Welt. Es geht für Architekten und Ingenieure nicht ausschließlich darum, geeignete Assistenzsysteme oder barrierefreie Produkte einzubauen. Vielmehr müssen sich alle am Baugeschehen Beteiligten mit den komplexen Nutzerszenarien eines Gebäudes auseinandersetzen. Dazu muss die reine Produktwelt verlassen und die Perspektive des Nutzers, ob mit oder ohne Handicap, eingenommen werden. Sind die Gebäude an sich verständlich und funktionieren Orientierung und Wegeführung? Entspricht unsere Auffassung von Kommunikation auch dem Verständnis von Angehörigen anderer Kulturen? Am Ende geht es im Wortsinn um eine universell verständliche Architektur, die sich den unterschiedlichsten Nutzern ohne Erklärungen erschließt. Einmal jährlich beurteilen Universal-Design- Expertengruppen zusammen mit einer altersgemischten Konsumentengruppe im Rahmen der Munich Creative Business Week neue Produkte und Architekturlösungen. Dabei werden verschiedene Bewertungskriterien zugrunde gelegt und überprüft. Seit Unterzeichnung der Weimarer Erklärung 2009 kümmert sich eine wachsende Gruppe engagierter Akteure um zukunftsfähige, wirtschaftlich tragbare und ergebnisorientierte Strategien zur sozialen Inklusion und Bewältigung des demografischen Wandels. www.universal-design.org Foto: Michael Schlenke 14 BARRIEREFREI planen & bauen 1.2017


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