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KONZEPT & PLANUNG Foto: Adam Mork, Schmidt Hammer Lassen Architekten und Ingenieure verzweifeln häufig daran, die geforderte Barrierefreiheit nutzergerecht und gleichzeitig ästhetisch anspruchsvoll umzusetzen. Nicht immer liefert die Industrie geeignete Produkte, die zum einen ihren Zweck erfüllen und zum anderen nicht gleich aufgrund ihres stigmatisierenden Designs ins Auge fallen. Manchmal muss man aber genau hinschauen, um die versteckten Assistenzlösungen und kleinen Helferlein zu entdecken. Wer also den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, dem hilft hier die Adlerperspektive. Unmerklich gelangt man nach ganz oben Bei der vertikalen Erschließung mehrstöckiger Gebäude handelt es sich um die Königsklasse der Barrierefreiheit. Bestes Beispiel ist Skandinaviens größte öffentliche Bibliothek in Aarhus. Sie steigt zur Seeseite hin über vier Stockwerke an, wobei die oberen Etagen mit dem Aufzug erreicht werden können. Doch der Aufstieg über die zentrale Medienrampe macht den Weg erst zu einem Erlebnis. Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen und Rollatornutzer gelangen über eine zentrale, langsam ansteigende Rampe ebenso einfach nach oben wie der Nutzer Foto: PRoF Projects ohne Handicap. Dabei kann der Besucher an fünf Stationen einen Zwischenstopp einlegen. Das Architekturbüro Schmidt Hammer Lassen hat die vertikale Erschließung des Gebäudes zu einem Mittelpunkt der Gestaltung gemacht. Ganz intuitiv und fast spielerisch erreicht man sein Ziel, ohne bewusst wahrzunehmen, dass man sich auf einer Rampe befindet. Die notwendige Treppe bemerkt man erst auf den zweiten Blick. In zwei unterschiedlichen Höhen montiert sorgen ihre beiden Handläufe für den notwendigen Halt für Groß und Klein. Dem dänischen Architektenteam ist hier ein Paradebeispiel für eine gelungene barrierefreie Erschließung dieses öffentlichen Gebäudes gelungen. Ein Handlauf muss nicht immer vor der Wand verlaufen Schwierig wird es immer dann, wenn Bauvorschriften und Normen vom Architekten fordern, die besonderen Bedürfnisse von Nutzern mit Handicap im Bestand zu berücksichtigen. In Treppenhäusern kann die Lösung dann zu einer wirklich kniffligen Herausforderung werden. Auf dem Campus der Universität Hasselt in der belgischen Provinz Limburg hat man dazu eine verblüffend einfache Lösung gefunden. Dort wurde ein Gebäude aus Das Heranfahren und Platznehmen an diesen Tisch ist mit dem Rollstuhl kein Problem. Entstanden ist diese Lösung eher zufällig, denn die Rollstuhlunterfahrbarkeit war ursprünglich nicht vorgesehen. Foto: Michael Schlenke Dieser nachträglich angebrachte Handlauf wurde einfach in die Wand verlegt und schränkt so die Breite der ohnehin schmalen Treppe nicht ein. 1.2017 BARRIEREFREI planen & bauen 13


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