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Nadine Metlitzky: Der Slogan „Das haben wir schon immer so gemacht“ funktioniert nicht, wenn man für die Zukunft bauen will. der 1. Fachtagung Barrierefrei planen & bauen gesagt: „Ein bisschen Barrierefreiheit ist besser als gar keine Barrierefreiheit!“ Barrierefreiheit wird häufig als Kostentreiber kritisiert. Gibt es dazu belastbare Zahlen? Nadine Metlitzky: Diesen Vorwurf muss man sich immer machen lassen, wenn man mehr Ausstattungsstandard bringt als noch vor drei Jahren. Kein Fortschritt ist für null Euro zu haben. Es fängt an bei der aufwendigeren Planung und auch in der bauordnungsrechtlichen Abstimmung steckt Mehraufwand. Eine automatisch öffnende Tür ist teurer als eine manuell zu bedienende. Aber die Mehrkosten liegen nicht, wie oft behauptet, bei 20 bis 30 %. Wir wissen nicht genau, wie viel Prozent aufzuschlagen sind, denn es gibt wenig belastbare Zahlen. Eine, wie ich finde, zumindest nachvollziehbare Studie, differenziert Bürogebäude bis 2 Mio. und über 2 Mio. Euro Bausumme und hat untersucht, wie viel Prozent Mehrkosten sich aufgrund der Barrierefreiheit ergeben. Und das sind immer einstellige Zahlen. Ob diese Mehrkosten allerdings ausschließlich auf das barrierefreie Bauen zurückzuführen sind, ist gar nicht einfach abzugrenzen, weil es eben kein Zusatzknopf ist, den ich irgendwo einbaue. Für den Wohnungsbau existieren Zahlen von gar keinem Mehraufwand bis hin zu 22 %. Aber das ist nicht so differenziert dargestellt, dass man es nachvollziehen könnte. Grundsätzlich entstehen Mehrkosten durch einen Verkehrs-Mehrflächen-Verbrauch. Im Wohnungsbau ist der nicht zu verschweigen. In öffentlichen Gebäuden ist die nötige Verkehrsfläche aufgrund anderer Bestimmungen häufig schon vorhanden. Da ist nicht der Flächenverbrauch der Kostentreiber, sondern die technische Gebäudeausrüstung. Beispielsweise in einem Dienstleistungszentrum, in dem die Tür immer automatisch aufgeht, entstehen keine Mehrkosten für das barrierefreie Bauen. In einem Verwaltungsgebäude hingegen kann eine automatische Tür nur aufgrund der Barrierefreiheit erforderlich werden und dadurch Mehraufwand verursachen. Wenn man das mal umdreht: Gibt es einen messbaren Mehrwert durch das barrierefreie Bauen? Nadine Metlitzky: Absolut. Für den Wohnungsbau ist schon durch einige Studien belegt, dass wir pro Quadratmeter barrierefreier Wohnfläche tatsächlich einen höheren Mietzins erzielen können. Aber selbst wenn der Mietzins nicht höher liegt als im konventionellen Wohnungsbau, ist die Nutzungsdauer dieser Immobilien länger. Und wir haben ein ganz geringes Mietausfallwagnis in diesen Wohnungen, weil der Bedarf so hoch ist und die Mieter viel länger in ihrer Wohnung bleiben können. Damit refinanzieren sich diese Kosten absolut, das kann man sogar wertermittlungstechnisch darlegen. Und auch die Banken berücksichtigen bei der Festsetzung des Beleihungswertes die Qualität barrierefrei in positivem Sinne. Stephanie Hess: Wenn im Bestand eine 6-%-Rampe nicht möglich ist, dann versuche ich eben 8 % hinzukriegen. Meiré und Meiré Barrierefrei außen Zwei-Sinne-Prinzip, flexible Blickwinkel, variable Einbauhöhen – Siedle-Produkte zeigen, wie sich geltende Normen bedarfsgerecht erfüllen lassen. www.siedle.de / barrierefrei 10 BARRIEREFREI planen & bauen 1.2017


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