NRW: Wohnraumförderung 2019

Neue Fördermöglichkeiten in Sachen Barrierefreiheit!
Am 15. Februar 2019 wurden die NRW-Wohnraumförderungsbestimmungen (WFB) umfassend geändert. Die Neuerungen betreffen insbesondere Aspekte der Barrierefreiheit sowie besondere Förderungen für rollstuhlgerechten Wohnraum. So werden beispielsweise Türen mit Nullschwellen zum Balkon oder Garten pauschal mit 1.000 €/Tür gefördert, Türen mit elektrischer Bedienung sogar mit 1.500 €/Tür, für eine rollstuhlgerechte Küche gibt es 5.000 Euro. Mietwohnungen werden nur noch dann gefördert, wenn sie barrierefrei im Sinne der aktuellen VV TB NRW sind – und das unabhängig von Gebäudeklasse und Geschossanzahl. Mehr zu den Anforderungen nach VV TB NRW hier >>
Wird kein Aufzug eingebaut müssen die Treppenhäuser so gestaltet werden, dass die Wohnungen nachträglich stufenlos erreichbar gemacht werden können, z. B. durch Ein- oder Anbau eines Aufzugs. Diese Nachrüstbarkeit muss planerisch nachgewiesen werden.

Detaillierte Vorgaben zur Barrierefreiheit, zur Nachrüstung und Rollstuhl-Wohnungen

Die Anlage 1 der Wohnraumförderungsbestimmungen (WFB) 2019 enthält unter Punkt 1.2 detaillierte technische Vorgaben zum Barrierefreien Bauen, insbesondere zur Nachrüstbarkeit und zu Bewegungsflächen sowie zu Rollstuhlnutzer-Wohnungen. Nachfolgend die wichtigsten Regelungen im Volltext:

Wohnraumförderungsbestimmungen (WFB) 2019,
zuletzt geändert durch RdErl vom 15.2.2019 (Auszüge)

2.5.2.6 Rollstuhlgerechter Wohnraum
Der Bau von Wohnraum für Rollstuhlnutzer wird auf Antrag mit einem Zusatzdarlehen in Höhe von pauschal 4.000 Euro pro Wohnung gefördert. Das Zusatzdarlehen wird für folgende Ausstattungsmerkmale erhöht:
a) für jede Tür mit Nullschwelle zum Freibereich (Hauseingang, Terrasse, Balkon) pauschal um 1.000 Euro,
b) für jede Tür in Wohnung oder Gebäude mit elektrischer Bedienung pauschal um 1.500 Euro und
c) für eine rollstuhlgerechte, unterfahrbare Einbauküche pauschal um 5.000 Euro.
Der erhöhte Flächenbedarf für zusätzliche Bewegungsflächen in der Wohnung wird durch die Anerkennung erhöhter Wohnflächenobergrenzen für Rollstuhlnutzerwohnungen nach Nummer 1.4.1 Buchstabe b) Spalte 3 der Tabelle Anlage 1 gefördert. Der erhöhte Flächenbedarf für einen Rollstuhlabstellplatz in der Wohnung wird durch Anerkennung einer planerisch begründeten Überschreitung nach Nummer 1.4.2 Anlage 1 gefördert.
[…]

Anlage 1 WFB
1.2 Barrierefreies Bauen
1.2.1 Barrierefreiheit, Nachrüstbarkeit, Bewegungsflächen
Die Neuschaffung von Mietwohnungen wird nur gefördert, wenn diese unabhängig von der Gebäudeklasse und Anzahl der Geschosse die Anforderungen an die Barrierefreiheit der Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen NRW (Anlage A 4.2/3 VV TB NRW) vom 7. Dezember 2018 (MBl. NRW. S. 775) in der jeweils geltenden Fassung erfüllen.
Wird kein Aufzug eingebaut, sind die Treppenhäuser so zu gestalten, dass die Wohnungen mindestens durch nachträgliche Baumaßnahmen, in der Regel durch Ein- oder Anbau eines Aufzugs, stufenlos erreichbar gemacht werden können (Nachrüstbarkeit). Die Nachrüstbarkeit muss planerisch nachgewiesen werden.
Wohnungen einschließlich notwendiger Abstellflächen ober- oder unterhalb der Eingangsebene, die für ältere oder behinderte Menschen zweckgebunden sind, müssen mit einem Aufzug erreichbar sein. Bei Wohnungen für eine Person mit zwei Zimmern einschließlich von Appartements in Gruppenwohnungen können die gemäß DIN 18040 Teil 2 in Verbindung mit Anlage A 4.2/3 VV TB NRW erforderlichen notwendigen Bewegungsflächen für das Bett statt im Schlafzimmer auch im Wohnraum planerisch nachgewiesen werden.

1.2.2 Mieteinfamilienhäuser und Maisonettewohnungen
Wohnraum in Mieteinfamilienhäusern und Maisonettewohnungen darf gefördert werden, wenn die Barrierefreiheit nur im Erdgeschoss bzw. im Eingangsgeschoss erfüllt wird und sich in diesem Geschoss die Küche, mindestens ein Wohnraum sowie ein barrierefreier Sanitärraum befinden. Dieser darf auch in einem anderen Geschoss liegen, sofern eine Treppe dorthin führt, die mit einem Treppenlift nachgerüstet werden oder die barrierefreie Zugänglichkeit auf andere Weise hergestellt werden kann. 

1.2.3 Rollstuhlnutzer-Wohnungen
Werden Wohnungen für Rollstuhlnutzerinnen oder Rollstuhlnutzer zweckgebunden, ist folgendes zu beachten:
a) Die Wohnungen müssen stufen- und schwellenlos erreichbar sein
b) Bei der Planung der Wohnungen sind zusätzliche Anforderungen der DIN 18040 Teil 2 an Türen gemäß Nummer 4.3.3, an die barrierefreie Erreichbarkeit von Bedienelementen gemäß Nummer 4.5.2 Satz 2 und alle mit R gekennzeichneten Regelungen zu beachten.
c) Bedienelemente und Stützen im Sinne der Nummer 5.5.3 Sätze 5 bis 8 der DIN 18040 Teil 2 müssen nicht eingebaut werden, aber nachrüstbar sein.
d) Die erforderlichen notwendigen Bewegungsflächen für das Bett können bei Wohnungen für eine Person statt im Schlafzimmer auch im Wohnzimmer nachgewiesen werden.
e) Das Achsmaß von Greifhöhen und Bedienhöhen von Türdrückern darf auch in Gebäuden mit Wohnungen für Rollstuhlnutzer innerhalb und außerhalb der Wohnung zwischen 85 cm und 105 cm betragen.“